Sao Miguel

Sao Miguel ist mit 65km Länge und 16km Breite die grösste, bevölkerungsreichste und touristisch am besten erschlossene Insel der Azoren. Kaum ein Azorenbesuch führt an der Ilha Verde vorbei. Um die Insel zu erkunden sollte man sich einen Mietwagen besorgen und in jedem Fall mindestens eine Woche Zeit haben.
Es gibt herrliche Badestrände, historische Stadtviertel und die Möglichkeit zum ausgiebigen Wandern.

Ihren Beinamen als Grüne Insel hat Sao Miguel nicht zu unrecht. Bei der Erstbesiedlung im Jahr 1444 waren noch weite Teile der Insel mit dichten Wäldern bedeckt. Teile davon wurden später gerodet, um Platz für Zuckerrohrplantagen zu schaffen. Auch für den Hausbau und als Brennstoff war das Holz willkommen. Aber auch heute ist die Insel noch grün. Das kommt vor allem der Landwirtschaft zugute. Man baut Mais und Hülsenfrüchte ebenso an wie Tabak und Wein. Und noch eine Frucht ist von Sao Miguel nicht wegzudenken: die Ananas. Man baut sie in endlosen Gewächshäusern im weiten Umfeld von Ponta Delgada an. Das macht sie schmackhaft aber auch teuer. Im Nordosten wird auf Europas einzigen Teeplantagen ein hervorragender Tee kultiviert und in den Hochlagen weiden die Kühe. Trotzdem gibt es auf Sao Miguel auch eine richtige Industrie. Die Betriebe umringen das Zentrum um Ponta Delgada und Lagoa, wo rund ein Drittel der Inselbevölkerung lebt. Hier gibt es Brauereien, Tabakverarbeiter, Konservenfabriken und eine Zementfabrik.

Sao Miguel ist Drehscheibe und Haupteinfallstor der Azoren. Der Flughafen liegt nur 3km von der Hauptstadt Ponta Delgada entfernt und ist Ziel internationaler Nonstopp-Flüge. Vor allem im Sommer fliegen zahlreiche Chartermaschinen von den USA und Kanada die Insel an. Auf dem Airport Joao Paulo II. starten und landen die Maschinen auf die anderen Insel des Archipels. Damit ist Sao Miguel eine gute Basis fürs Inselhüpfen.

Kein Weg führt an größten Stadt der Azoren, Ponta Delgada, vorbei. Die Hauptstadt hat einen wichtigen Hafen und ist unzweifelhaft das wirtschaftliche Zentrum. Die Hafenburg aus dem 16. Jahrhundert steht noch heute. Besuchenswert sind auch die Igreja de Sao Jose und die Igreja Matriz de Sao Sebastiao sowie der Conceicao-Palast aus dem 17. Jahrhundert. Ein Altstadtbummel ist lohnenswert und führt über ein Meer von schwarz-weiss verzierten Gehwegen. Cafés und Restaurants findet man an der weitläufigen Uferpromenade. Ein Besuch ist auch das Museu Carlos Machado wert. Es informiert über Geschichte und Kultur der Azoren. So geht der Tag schnell vorrüber und man wird ständig von neuen Eindrücken überrumpelt. In Ponta Delgada findet man auch die Universität der Azoren mit deren Philosophischer und Sozialwissenschaftlicher Fakultät und mehr als tausend Studenten. Viele Handelsunternehmen haben hier ihren Sitz, ebenso die Regionalregierung der Autonomen Region der Azoren. Am 5. Sonntag nach Ostern ist das Santo Cristo Fest der Höhepunkt. Blumenteppiche liegen dann auf den Strassen.

Eigentlich bestand Sao Miguel einmal aus zwei Teilen. Im Westen ragte der Vulkan von Sete Cidades einmal weit über 1.000m hoch hinauf. Heute findet man hier die Caldeira das Sete Cidades. Daneben liegen im romantischen Hochland noch viele idyllische Kraterseen in schillernden Blau- und Grüntönen. Im Osten liegen die Serra de Agua de Pau mit dem 947m hohen Pico da Barrosa und die Serra da Tronqueira. Dieses Gebiet mit dem 1.103m hohen Pico da Vara ist mit drei bis vier Millionen Jahren auch die älteste Gebirgsregion. Erst vor rund 50.000 Jahren entstand zwischen beiden Massiven eine Landbrücke. Hier reihen sich heute rund 65 Vulkankegel aneinander, allesamt erst ca. 5.000 Jahre alt. Diese Region ist weitgehend flach und daher heute auch am dichtesten besiedelt. Zur letzten großen Eruption kam es im Jahr 1652. Damals brach der Pico do Fogo bei Lagoa aus. Die Region um diesen idyllischen Kratersee ist noch heute aktiv und jedes Jahr kommt es zu zahlreichen schwachen Erdbeben.

An Sao Miguels Küste reihen sich Ananas, Tabakpflanzen, Weinfelder und Teeplantagen aneinander. Unten liegt tiefblau der Ozean und immer wieder trifft man auf schöne, teils tiefschwarze Sandstrände. Die Küste ist abwechslungsreich. Neben den herrlichen Stränden gibt es auch steil aufragende Klippen. Im Inselinneren geht es dagegen weit weniger geordnet zu. Hier hat noch die Natur die Oberhand. Abseits der Weiden zieht sich ein urwaldartiger Wald die Hänge hinauf. Er säumt auch den Weg hinauf zum Vista do Rei, einem wahrlich königlichen Aussichtspunkt auf den Krater um Sete Cidades im Westen der Insel. Blau und türkisgrün liegen die beiden Seen unter einem. Der Riesenkrater ist ein erstaunliches Naturwunder. Er liegt am Rand gut 500m hoch und kann in einer längeren Wanderung umrundet werden. Um die Caldeira ranken sich unzählige Sagen.
Im bezaubernden Städtchen Furnas mit seinen 22 heißen Quellen kann man in Schwefelquellen und vulkanisch aufgeheizten Bächen baden. Jesuitenpater entdeckten die heilende Wirkung des romantischen Tals und so entwickelte sich Furnas zum Kurort. In dem Tal wachsen Riesenfarne, Lorbeer- und Eukalyptusbäume und auch wilder Ingwer. Quellen und Erdschlamm nutzt man im Thermalbad zu Heilzwecken. Paläste und Parkanlagen zeugen von altem Reichtum, darunter der Parque Terra Nostra mit seinem Warmbadesee im Freien. Aus Fumarolen steigt einem im Ort Schwefelgeruch in die Nase. Die Caldeiras spucken regelmässig Wasser und Luft. In der Felsspalte ‘Pero Botelho’ kann man die unterirdischen Kräfte spüren und die Erde arbeiten hören. Gase, Wasser und Hitze lassen es knistern und knacken. Die Erdwärme genügt zum Kochen und Garen des ‘cozido’, der lokalen Spezialität: Fleisch und Gemüse werden im Topf über Stunden in den Boden eingegraben.
Daneben gibt es noch den oft in Wolken gehüllten Lagoa do Fogo mit seinem Bimssteinstrand und die herrlichen Strände an der Südküste.
Noch ursprünglich ist der abgelegene Nordosten. Die Wege nach Nordeste sind lang und kurvenreiche und führen durch viele verschlafene kleine Dörfer. Dafür findet man hier die schönsten Aussichtspunkte mit lauschigen Picknickplätzen. Auf Sao Miguel wartet aber auch Europas einzige und letzte von ehemals 62 Teeplantagen auf Ihren Besuch. Sie liegt an der rauhen und schroffen Nordküste der Insel.
Im Fischerdorf Povocao steht das älteste Gotteshaus, die Capela de Santa Barbara. Hier haben sich auch die ersten Siedler der Insel niedergelassen.
Die einstige Hauptstadt Vila Franca do Campo wurde 1522 durch ein Erdbeben zerstört.

Heute ist Vila Franca ein freundlicher Ort, von dem aus man mit dem Boot zum Baden in einen erloschenen Vulkankrater der vorgelagerten Ilheu de Vila Franca schippern kann.
In dem ebenfalls im Süden gelegenen Lagoa gibt es traditionelle Töpfereien.
In Ribeira Grande kann man noch heute den Reichtum aus der Zeit der Orangenbarone erkennen. Hier gibt es auch ein Völkerkundemuseum.
Die Caldeira Velha speist ein eisenhaltiger Wasserfall. Im darunterliegenden Badebecken kann man ganzjährig im Freien baden – heiße Quellen wärmen das Wasser angenehm. Wilde Vegetation und steile Berge gehören auf der ganzen Insel Sao Miguel zum Landschaftsbild. All dies sind nur ein paar der schönsten Inselziele.

Auf Sao Miguel läßt es sich das ganze Jahr über herrlich wandern. Es stehen viele Wanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Sie führen quer über die Insel und immer wieder an sehenswerten Plätzen vorbei. Baden kann man an kleinen, schwarzen Sandstränden oder Naturschwimmbecken. Gerade im Süden gibt es herrliche Plätze.
Auf Sao Miguel findet man soviele Hotels und Unterkünfte wie auf keiner anderen Insel der Azoren. Wer nur einen kurzen Stopp macht, für den ist Ponta Delgada die richtige Basis. Für längere Aufenthalte bieten sich auch die kleineren Orte wie Mosteiros oder Furnas an. Will man die Insel näher kennenlernen, benötigt man mindestens eine Urlaubswoche. Für einen ausführlichen Besuch sollte man aber drei Wochen einplanen. Dafür wird dem Aktivurlauber viel geboten: ein paar Kilometer von Furnas entfernt liegt ein idyllisch eingebetterter Golfplatz. Die üppige Natur und immergrüne Wälder garantieren Erholung. Auf der Insel gibt es Tennisplätze, sowie die Möglichkeit zum Windsurfen, Segeln und Rudern. Und auch unter Wasser gibt es attraktive Reviere für Taucher.